Abi2020 - Bühne

Nicht nur der Unterricht, der seit Mitte März in einer Mischung auch Distanzlernen und Präsenzunterricht bestand, sondern auch die Abschlussfeiern standen dieses Schuljahr unter einem ganz besonderen Stern: der Corona-Pandemie. Silberne Sterne in einem Meer aus azurblauen und weißen Luftballons waren es auch, die die Gäste der diesjährigen Abiturfeier im Pädagogischen Zentrum (PZ) begrüßten, als sich am Samstag, den 20. Juni 2020 die Abiturientia um 16.30 Uhr von der Schulgemeinschaft verabschiedete. Aufgrund der strengen Hygieneauflagen von Stadt und Land waren nur 100 Personen zugelassen und so mussten leider die Eltern und Angehörigen der jungen Erwachsenen dieses Mal der Abschiedsfeier fernbleiben.

Zu den Klängen der Star-Wars-Titelmelodie und des Achtziger-Jahre-Klassikers „The Final Countdown“ der schwedischen Langhaarcombo Europe liefen zunächst die Abiturientinnen und Abiturienten ins festlich geschmückte PZ ein, empfangen vom Applaus der Gäste. Durchs Programm führte ein Moderatoren-Dreigestirn, das alle Schülerinnen und Schüler namentlich begrüßte und sogleich das Wort unserem Schulleiter Dr. Andreas Lux übergab.

In seiner Ansprache bedauerte Dr. Lux zunächst die Abwesenheit von Eltern, Familienmitgliedern und Freunden. Das Wort „Corona“ allerdings wollte der Schulleiter nur noch mit großem Widerwillen im Munde führen – er könne es nach über drei Monaten des Dauergebrauchs einfach nicht mehr hören. Hinsichtlich der Anwesenheit seiner Eltern bei der eigenen Abiturfeier im Jahr 1981 ergaben sich ferner Erinnerungslücken bei Dr. Lux. War es nicht die Schwester gewesen, die an der damaligen Zeremonie teilgenommen hatte? Ein Anruf bei Verwandten hätte schließlich Klarheit gebracht: Die Eltern waren dabei und natürlich auch die Oma. Anschließend war man gemeinsam in ein jugoslawisches Restaurant feiern gegangen, mit feucht-fröhlichem, für norddeutsche Verhältnisse erwartbarem Ausgang. Nur weil er jetzt Abitur habe, könne er trotzdem ein guter Mensch sein, erinnerte sich Dr. Lux an einen hintergründigen Kommentar seines zur See fahrenden Vaters zum hohen Schulabschluss des herangereiften Sprösslings. Leistungsdruck hätte sein Vater nie auf ihn ausgeübt. Für alle Eltern sei es stets eine Herausforderung, zwischen Druck und Laufenlassen die richtige Balance zu finden. Seine Eltern, resümierte der Schulleiter, hätten es gut mit ihm gemeint. Und die zur Abwesenheit verdammten Eltern der Abiturientinnen und Abiturienten sicherlich auch.

Im Jahr 1981, so Dr. Lux weiter, sei für ihn klar gewesen, dass sich an das Abitur ein Hochschulstudium anschließen würde. Das sei heute anders; viele Abiturientinnen und Abiturienten würden mittlerweile auch den Weg einer Ausbildung einschlagen. Diesen Weg empfahl Dr. Lux insbesondere denen, die nicht so gerne Hausaufgaben machten. An der Universität könne man sich solche Laxheit jedenfalls nicht leisten. Das Abiturmotto „Abinauten – wir schießen uns ins All“ gefiel dem Schulleiter indessen ausnehmend gut. Zwar erinnerte ihn das Abschießen an die erwähnte feucht-fröhliche Feier beim heimischen Jugoslawen. Außerdem sah er sich als gebürtiger Norddeutscher gezwungen, vor den Folgen des übermäßigen Konsums von Captain Morgan und anderen Spirituosen zu warnen. Gegen den Griff nach den Sternen, den das Motto suggeriere, habe er als passionierter (Astro-)Physiker gleichwohl nichts einzuwenden. Es gelte allerdings zu bedenken, dass es im Weltall „rattenkalt“ sei, man müsse gut vorbereitet sein, um der „mörderischen Strahlung“ des Universums erfolgreich zu trotzen. Bei guter Vorbereitung, so Dr. Lux weiter, könne den die Schule verlassenden Abinauten der Griff nach den Sternen aber durchaus gelingen. Da sei er guten Glaubens.

Am Ende seiner Ansprache bedankte sich Dr. Lux bei den Beratungslehrerinnen Nicole Stahlmann und Marion Stips, den Teamkollginnen und -kollegen, bei Oberstufenleiterin Alexandra Berg sowie den ehemaligen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern herzlich für ihren Einsatz. Dann folgte ein Intermezzo am Konzertflügel, bei dem sich optimistische Verspieltheit und Ernsthaftigkeit in Dur und Moll gleichermaßen zu Gehör brachten.

Nachdem sich der Moderator im Anschluss an den Vortrag von Dr. Lux seinerseits bei allen bedankt hatte, die trotz der widrigen Umstände das Gelingen der Abiturfeier ermöglicht hatten, war zunächst einmal ein bisschen Eigenlob auf der Tagesordnung. Ganz unbescheiden wurde der Abschlussjahrgang kurzerhand zum besten Jahrgang ernannt, den die Gesamtschule Aachen-Brand jemals gehabt habe. Das war vor allem auf das außerordentlich hohe Gemeinschaftsgefühl gemünzt, das sich unter den Jugendlichen im Laufe des dreijährigen Oberstufenbesuchs entwickelt habe. Alle seien von der Gemeinschaft akzeptiert worden, ungeachtet ihrer Haarfarbe, Hautfarbe oder Religion.

Danach erklomm das Rednerduo die Bühne, um unter dem freundlichen Applaus des Publikums die Abschiedsrede im Namen der Abiturientia zu halten. Es hätte Höhen und Tiefen in den vergangenen drei Jahren gegeben, aber unter dem Eindruck der Corona-Pandemie sei kein „business as usual“ möglich. Statt Festrednern hätten unter diesen besonderen Umständen eher „Krisenreporter“ Hochkonjunktur. Aber auch ein ungeplant umkippendes Mikro brachte die Vortragenden nicht aus der Ruhe. Krisenerprobt, könnte man sagen. Das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl des Jahrgangs hätte sich auch dahingehend bekundet, dass neue Schülerinnen und Schüler herzlich in den Kreis des Jahrgangs aufgenommen worden seien. Einige der Mitschülerinnen und Mitschüler seien allerdings schon durch außergewöhnliche Faulheit aufgefallen. Die Verlängerung der Arbeitszeiten in den Klausuren hätte überdies manchen Jugendlichen an die Grenzen der eigenen Konzentrationsfähigkeit gebracht. Aber dafür sei die Abschlussfahrt nach Italien außergewöhnlich schön gewesen. Trotz des schlechten Essens im Hotel habe man am Gardasee viel mediterrane Kultur genossen, etwa in Gestalt des einheimischen vino rosso. Die mitreisenden Lehrkräfte hätten nicht zuletzt durch das interessante Rahmenprogramm und das Zudrücken manchen Auges für ein einmaliges Erlebnis gesorgt.

Besonderes Augenmerk habe der Jahrgang im Übrigen auf die Ausstattung des Aufenthaltsraumes gelegt. Nach und nach sei die Einrichtung um neues Mobiliar, Kaffeemaschinen usw. erweitert worden, wodurch eine besonders angenehme Atmosphäre entstanden sei. Diese Idylle sei dann jäh unterbrochen worden durch den Lockdown am 13. März 2020. Dass sich die Abiturientia aufgrund dieser Notmaßnahme um einige unvergessliche Momente wie etwa den letzten Schultag, den Abischerz oder die Abiparty betrogen fühlte, ist nur allzu nachvollziehbar. Trotzdem wurde den Mitschülerinnen und Mitschülern noch auf den Weg gegeben, sich voller Freude an die gemeinsamen Freunde und die gute Zeit zu erinnern. Anschließend wurden mit dem Funkmikro einige spontane Interviews unter den Gästen geführt. Die Fahrt an den Gardasee, so wurde dabei deutlich, hatte sich nicht nur ins Gedächtnis der Vortragenden eingebrannt. Vom anstehenden Sportstudium an der Sporthochschule Köln und geplanten Aufenthalten in Brasilien erfuhr man ebenso wie von der außergewöhnlichen Gedenkveranstaltung anlässlich des 9. Novembers im vergangenen Herbst, an die Geschichtslehrer Stephan Wannewitz erinnerte. Es sei insgesamt eine schöne Zeit gewesen, so der Tenor dieses Teils der Abiturfeier.

Natürlich verabschiedeten sich auch die berufsbedingt publikumsverliebten Lehrerinnen und Lehrer mit einer Karaoke-Nummer in stylischen Schutzanzügen von ihren ehemaligen Eleven, und baten angesichts der wenigen Vorbereitungszeit um Nachsicht bei der Vergabe der ästhetischen Haltungsnoten für ihren eindeutig vom New Wave beeinflussten Ausdruckstanz. Nicht nur für ihre ausgefallene Choreographie, sondern den gesamten im Laufe von drei Jahren gebrachten Einsatz (darunter eine gewisse Nachsicht bei Vokabeltests) wurden die Lehrkräfte anschließend mit Blumensträußen und Geschenken bedacht. Darunter waren ein selbstgebackener Kuchen, der eine lange kursinterne Vorgeschichte aufwies, ein Restaurantgutschein und eine hölzerne Küchenrolle, in die die Namen der Mitglieder des Englisch-Leistungskurses eingeritzt waren. Zukünftig kann Englischlehrerin Nicole Stahlmann damit zuhause Kekse mit den Namenszügen der Ehemaligen backen. Was allerdings „strippende Atome“ sein sollen, erschloss sich dem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften nicht übermäßig bewanderten Verfasser dieser Zeilen nicht. Sicherlich wird Dr. Lux bald für Aufklärung auf diesem Gebiet sorgen…

Anschließend bedankte sich unser Schulleiter nochmals herzlich bei unserem Hausmeister Markus Briefs für dessen Einsatz bei der Organisation der Feier, bei den Eltern, Lehrkräften und bei Oberstufenleiterin Alexandra Berg. Zwei Jugendliche erhielten einen Preis der Physikalischen Gesellschaft für ihre Leistungen auf dem Gebiet der Physik, zu dem eine einjährige Mitgliedschaft und ein Fachbuch gehörten. Geehrt wurden auch die beiden besten Schülerinnen des Jahrgangs für ihren hohen Abiturdurchschnitt (1,0 bzw. 1,3). Für die beste Abiturklausur im Fach Deutsch gab es einen Preis des Vereins Deutsche Sprache, ebenfalls verbunden mit einem Buchgeschenk. Weitere Ehrungen wurden für das Engagement in der Schülervertretung sowie die Organisation der Abiturfeier vorgenommen. Dann konnte endlich zur feierlichen Übergabe der Abiturzeugnisse übergegangen werden, die von den Leistungskurskolleginnen und -kollegen durchgeführt wurde. Jedes Mitglied der Abiturientia erhielt neben dem erhofften Reifezeugnis selbst eine Ausgabe des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen und einen freundlichen Applaus der anwesenden Gäste.

Sicherlich war gelegentlich während der Abiturfeier eine gewisse Enttäuschung über die von der Corona-Pandemie zunichte gemachten Rituale und Feierlichkeiten spürbar, die in normalen Zeiten das Abitur zu einer spannenden Zeit im Leben junger Menschen machen. Es gelang aber trotz Abstandsregeln und der schmerzlichen Abwesenheit der engsten Verwandtschaft, die ein großes Opfer war, eine feierliche Atmosphäre zu erzeugen, die dem Anlass vollends gerecht wurde. Vielleicht ist es ja ein Trost für unsere Ehemaligen, wenn sie in ein paar Jahren nicht mehr über ausgefallene Abipartys und Abischerze berichten müssen, sondern eher über die wirklich außergewöhnlichen Umstände, unter denen sie ihr Abitur im Jahr 2020 dennoch erfolgreich abgelegt haben. Das jedenfalls wünschen wir ihnen von ganzem Herzen.

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